Wenn man darüber nachdenkt, ins Ausland zu gehen, dann taucht fast automatisch irgendwann diese eine Frage auf, die sich zuerst sehr vernünftig anhört und die gleichzeitig auf einer Annahme basiert, die wir selten hinterfragen: Bin ich dort sicher?

Inhaltsverzeichnis
Die Illusion von Sicherheit, mit der wir aufwachsen
Und während wir das denken, stellen wir uns unbewusst vor, dass es so etwas wie echte, stabile, verlässliche Sicherheit überhaupt gibt, dass es einen Zustand gibt, in dem Dinge planbar sind, in dem Einkommen konstant bleibt, in dem Wege vorhersehbar verlaufen und Entscheidungen sich langfristig absichern lassen. Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem man ansetzen muss, weil diese Vorstellung von Sicherheit oft weniger Realität ist als vielmehr ein Konzept, das wir gelernt haben zu glauben.
Der „sichere“ Weg, der sich nie richtig anfühlt
Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie ich damals nach der Schule beim Arbeitsamt saß und eigentlich schon gespürt habe, dass ich etwas Kreatives machen möchte, dass ich gestalten will, dass ich dieses Bedürfnis habe, Dinge zu erschaffen, visuell zu arbeiten, mit Ideen, mit Ausdruck, und wie mir gleichzeitig beim Arbeitsamt gesagt wurde, dass das kein sicherer Weg sei, dass ich damit wahrscheinlich keinen stabilen Job finden würde und dass es viel sinnvoller wäre, eine administrative Ausbildung zu machen, weil ich damit immer Arbeit hätte.
Und in diesem Moment klingt das absolut logisch und durchdacht.
Also habe ich genau das gemacht. Ich habe unterschrieben, angefangen, funktioniert. Jeden Morgen bin ich aufgestanden und habe etwas getan, das auf dem Papier Sinn ergab – und mir trotzdem täglich das Gefühl gab, dass da etwas fehlte.
Ich habe diese Ausbildung begonnen, habe mich in ein System eingefügt, das Stabilität verspricht, habe gelernt, wie man funktioniert, wie man Abläufe einhält, wie man sich in Strukturen bewegt, die als „sicher“ gelten, und trotzdem war da dieses Gefühl, das sich nie ganz abschütteln ließ, dieses leise Wissen, dass ich zwar das Richtige im Außen tue, aber nicht das, was sich im Inneren richtig anfühlt.
Und dieses Gefühl ist geblieben, egal wie sehr ich versucht habe, mich anzupassen.
Der Moment, in dem Unsicherheit sich plötzlich richtig anfühlte
Erst in Spanien hat sich etwas verändert.
Ich habe dort Seiden-Malkurse gegeben, Bühnenbilder entworfen, bin in Shows aufgetreten. Objektiv betrachtet war das die unsicherste Lebensphase, die ich bis dahin hatte. Kein geregeltes Einkommen, kein Plan, keine Absicherung und ein befristeter Arbeitsvertrag.
Und trotzdem hat sich zum ersten Mal etwas richtig angefühlt.
Da habe ich angefangen, eine andere Frage zu stellen: Was ist eigentlich wirklich unsicherer? Ein stabiler Job, der sich innerlich falsch anfühlt? Oder ein offener Weg, der sich richtig anfühlt, auch wenn er unklar ist?
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Warum Sicherheit an Orte gebunden ist – und deshalb verschwindet
Als ich danach wieder zurück nach Deutschland gegangen bin, bin ich in die alten Strukturen zurückgerutscht. Ich habe mich wieder bei administrativen Stellen beworben, habe wieder dieses vermeintlich sichere Leben gelebt, und gleichzeitig war dieses Gefühl sofort wieder da – dass etwas nicht stimmt. Dass ich mich anpasse, statt wirklich das zu leben, das ich vermisse.
Als ich nach Dänemark kam, ist dieses ganze Konstrukt zusammengebrochen. Da ich auf einmal keinen Zugang mehr zu dem hatte, was vorher als sicher galt.
Plötzlich konnte ich die Sprache nicht gut genug. Plötzlich waren die Fähigkeiten, die mich vorher abgesichert hatten, in diesem neuen Kontext nichts mehr wert. Alles, worauf ich gebaut hatte – Sprache, Netzwerk, berufliche Identität – war weg.
Und in diesem Moment wurde etwas sehr klar:
Sicherheit war nie wirklich da.
Sie war nur gebunden an ein bestimmtes System, eine bestimmte Umgebung, bestimmte Voraussetzungen. Und sobald sich diese verändert haben, war sie verschwunden.
Was bleibt, wenn alles wegfällt
Ich musste bei null anfangen, nicht weil ich nichts konnte, sondern weil das, was ich konnte, in diesem Kontext nicht mehr „verwertbar“ war, und genau das zeigt, wie fragil diese Vorstellung von Sicherheit eigentlich ist, weil sie immer davon abhängt, dass alles um dich herum gleich bleibt.
Was es nie tut.
Ich habe mich damals gefragt, was eigentlich wirklich konstant ist. Was nicht wegfällt, wenn das System um mich herum zusammenbricht.
Ich habe meine Mutter angerufen und sie gefragt, was ich als Kind eigentlich immer gerne gemacht habe.
Sie hat nicht lange überlegt. Du hast viel gezeichnet Du warst immer kreativ.
Und genau dort habe ich wieder angesetzt. Nicht weil der kreative Weg sicher war. Sondern weil er das Einzige war, das konstant geblieben ist – unabhängig von Systemen, Sprachen, Lebensläufen.
Und das ist die eigentliche Erkenntnis, die das Ausland einem gibt, wenn man bereit ist, sie anzunehmen:
Du lernst dich kennen. Nicht die Version von dir, die funktioniert. Sondern die, die wirklich da ist.
Was wirklich bleibt, wenn nichts mehr sicher ist
Ich habe in Dänemark eine neue Ausbildung angefangen, in einem Bereich, den ich nie offiziell gelernt hatte, und ich hatte Angst, weil ich nicht wusste, ob es funktioniert, weil ich keinen Plan hatte, weil ich nicht vorbereitet war, aber gleichzeitig war mir auch klar, dass der „sichere“ Weg, den ich vorher gegangen bin, mir auch keine echte Sicherheit gegeben hat.
Und das ist vielleicht der entscheidende Punkt.
Wir treffen oft Entscheidungen für eine Sicherheit, die gar keine ist.
Warum es Sicherheit weder im Ausland noch zuhause gibt
Denn selbst wenn man einen stabilen Job hat, ein regelmäßiges Einkommen, ein funktionierendes Umfeld, bedeutet das nicht, dass es so bleibt. Märkte verändern sich, Branchen verschieben sich, Dinge entstehen und verschwinden, Trends kommen und gehen, Entscheidungen werden von außen getroffen, auf die wir meist keinen Einfluss haben.
Ich habe selbst erlebt, wie schnell sich Dinge verändern können, wie schnell vermeintliche Stabilität bricht, wenn man eine falsche Entscheidung trifft, die eigentlich Sicherheit hätte geben sollen.
Was blieb, war nicht der Verlust. Es war die Erkenntnis, dass diese Sicherheit nie greifbar war. Sie war immer nur eine Momentaufnahme.
Die eigentliche Wahrheit über Sicherheit
Und genau deshalb wird das Thema im Ausland so intensiv.
Weil dort alles wegfällt, was diese Illusion aufrechterhält.
Kein Netzwerk, keine gewohnte Struktur, keine Sprache, kein Umfeld, das dich automatisch trägt.
Pllötzlich bleibt nur noch das, was wirklich da ist.
Du selbst.
Und das ist erstmal unbequem, weil man sich nicht mehr verstecken kann, weil man nicht mehr sagen kann, dass das System schuld ist oder die Umstände, weil man gezwungen ist, sich mit den eigenen Stärken, aber auch mit den eigenen Unsicherheiten auseinanderzusetzen.
Aber gleichzeitig ist es auch der ehrlichste Zustand.
Weil man beginnt zu verstehen, dass Sicherheit nie im Außen lag.
Dass sie nie durch einen Job garantiert wurde.
Dass sie nie durch eine Ausbildung festgeschrieben war.
Sondern dass sie immer davon abhing, wie sehr man sich selbst vertraut.
Und genau das zeigt wieder, dass Sicherheit kein fester Zustand ist, sondern etwas, das wir uns oft nur erzählen, um Entscheidungen leichter treffen zu können.
Aber wenn man ehrlich ist, dann gibt es sie nicht.
Nicht im Ausland.
Und auch nicht zu Hause.
Was du stattdessen aufbauen kannst
Die Frage Bin ich im Ausland sicher? ist die falsche Frage.
Die richtige Frage wäre eigentlich: Worauf baue ich, wenn alles andere wegfällt?
Und die Antwort liegt nicht in einem Job, nicht in einem Netzwerk, nicht in einer Ausbildung. Sie liegt in dem, was konstant bleibt, wenn der Boden unter dir wegbricht. In den Fähigkeiten, die dir niemand nehmen kann. In der Art, wie du denkst. In dem, was du schon als Kind immer gemacht hast, bevor dir jemand erklärt hat, dass es nicht sicher genug sei.
Das Ausland zwingt dich, genau das zu finden. Weil es alles andere wegnimmt.
Und wer das einmal verstanden hat, braucht keine Sicherheit mehr.
Der hat etwas Besseres: sich selbst.

Wie finde ich einen Job in Dänemark – meine ehrliche Erfahrung
Dieser Sommer in Dänemark zehrt an meinen Nerven. Gefühlt regnet es seit letzten Juni durch. Der Grill steht seit zwei Jahren in …

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