Dänemark

Die Bedeutung der Sprache im Ausland

Als ich nach Dänemark zog, hieß es „Ach, als Deutsche lernst du die Sprache schnell!“ – dem war allerdings nicht so!

Maja nach 5 Jahren angekommen

Als ich in 2014 nach Dänemark zog, war es noch so, dass die Sprachkurse gratis waren. Das hat sich leider mittlerweile geändert.

Leider, da es definitiv jedem Ausländer die Möglichkeit gibt, sich schneller in einem Land zu integrieren. Die Sprache eröffnet einem Wege und Möglichkeiten, die einem ansonsten auf ewig verschlossen bleiben.

Da ich allerdings eine der Glücklichen war, die am gratis Unterricht teilnehmen konnte, meldete mich über das sogenannte „Jobcenter“ so schnell wie möglich an. Keine zwei Monate später sollte ich von einem auf den anderen Tag an der Sprachschule beginnen. 


Ein absolutes Vorurteil


Von Beginn an hörte ich, dass ich keine Probleme haben werde als Deutsche, die Sprache schnell zu erlernen. Holländer und Deutsche waren in der Regel sehr schnell und in circa einem Jahr fließend. Tja, nach einem Jahr erahnte ich endlich, was die Moderatoren im Radio sagten – und auch da war ich mir nicht 100% sicher, ob ich die Pointe der Geschichte tatsächlich richtig verstanden hatte.

Vor unserem Umzug nach Dänemark hatte ich kaum ein Wort dänisch gehört, gelesen oder geschrieben. Ich startete also bei Null. Und ich muss sagen, ich lernte täglich und viel. Ich machte meine Hausaufgaben und war jeden Tag mindestens drei Stunden damit beschäftigt, die Sprache zu lernen. Aber es dauerte…

Ich weiss von mir selbst, dass ich zu den Menschen gehöre, die mit „Learning-by-Doing“ zum Erfolg gelangen. Darum musste ich sehr oft die Sprache anwenden. Nur war das das Problem: Viele Worte hörten sich gleich an oder wurden gleich geschrieben und wenn ich die Betonung nicht richtig setzte, gab das Wort sofort eine andere Bedeutung.

Meine Nachbarn wurden meine besten Freunde. Angst vor dem Sprechen hatte ich ja schliesslich nicht.


Peinliche Erfahrungen gehören dazu

Das erste Erlebnis hatte ich mit meinem Nachbarn, dem ich eigentlich nur erzählen wollte, dass ich es endlich geschafft hatte die Hecke zu schneiden. Dieser starrte irgendwann nur noch gerade aus und sagte dann ich leisem Ton: „Maja, ich glaube, du solltest das Wort noch einmal nachschlagen. Das Wort verwenden wir nicht in diesem Zusammenhang!“ Und das alles nur, weil ich statt einem „N“ ein „L“ sagte.

Aufgrund mehrerer dieser Ereignisse merkte ich, dass ich mich in meiner Spontanität zurücknehmen musste, um nicht konstant in peinliche Situationen zu geraten.


Was passiert, wenn wir uns nicht ausdrücken können

Was aber macht diese Vorsicht mit einem. Genau! Man verändert sich. Man nimmt sich zurück, wird unsicher und ist nicht mehr der spontane fröhliche Mensch, der man einmal war, sondern wird introvertiert und vorsichtig. Bei vielen Ausländern legt sich diese Vorsicht mit dem Moment, in dem sie sich der Sprache mächtig fühlen. Andere allerdings kommen aus ihrem Schneckenhaus niemals mehr raus und werden quasi einsam.

Mittlerweile kenne ich leider einige Ausländer, die sich hier in Dänemark nie richtig zu Hause fühlen können, da sie eine innere Blockade aufgebaut haben, die leider schwer ist zu überwinden ist. Ich selbst musste sehr aktiv sein, um aus diesem Rückzug und innerer Isolation auszubrechen und bin froh, dass ich es rechtzeitig geschafft habe.

Es hat über ein Jahr gedauert, die Sprache einigermassen zu lernen aber fünf Jahre, um mich damit zu Hause zu fühlen. Und noch stets vermisse ich etwas. Die Sprache ist nicht nur das Lernen von Wörtern. Sprache beinhaltet weit mehr. Es ist ein Gefühl. Mit einem bestimmten Wort verbinden wir von klein auf ein Gefühl, dass jederzeit abgerufen werden kann. Mit Liedern verbinden wir z.B. bestimmte Jahreszeiten. Wenn man sich nicht auf die Suche nach einem Gefühl in der Sprache begibt, wird man sich nie wirklichin dem jeweiligen Land zu Hause fühlen. Dies ist auch ein Grund, weshalb Kinder oft schneller eine neue Sprache lernen. Kinder lernen spielerisch und verbinden automatisch Wörter mit Situationen oder einem Gefühl.


Aber einen Trost hat das Ganze:
Ein Freundin sagte einmal zu mir: Lerne erst das Land lieben und dann lernst du die Sprache wie von selbst:-) 
Und das kann ich nur bestätigen!



With Love✨
Maja


#lahviart
#anordicdiary

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